Fischen auf Rügen 2010 – Teil 7

Es war soweit. Wir erreichten die ersten Fischgründe. Ich stand gespannt an der Reling. Die Aufregung war schon immens groß. Noch einmal rekapitulieren: Einmal hupen und es geht los. Wer als erstes unten ist, fängt den Fisch.

Und da war es: Der Kapitän hupte einmal. Und… ich war natürlich nicht als erstes unten. *gg*

Peter neben mir fing gleich seinen ersten Fisch. 1,5m neben einem Profi zu stehen war vielleicht nicht der beste Standplatz.

Ahh, was ist das? Fisch? Ich kurbelte hoch und da war er: mein erster Dorsch! HURRA!

Es war so geil, mein erster Dorsch! Um 8:24 Uhr!

Zur Versorgung der Fische standen Kunststoffkisten zur Verfügung und jeder konnte in seiner Kiste seine Fische aufbewahren. Schnell war klar, daß man während der Fischsession schnell wieder unten sein sollte. Ich bekam in der nächsten Pause bei der Fahrt zum nächsten Dorschschwarm weitere Tipps: Günstig ist ein zweiter Drilling der in den Wirbel eingehängt wird. Peter borgte mir einen Drilling da ich keine weiteren mit hatte. Beim Pilken wird die Rute angehoben, so ca. einen Meter in zwei aufeinanderfolgenden Bewegungen.

Und schnell war auch klar warum die Alivio mehr schlecht als recht ist. Erstens war sie viel zu lang. Und zweitens viel zu weich für 125g Köder. Durch die Länge und Weichheit konnte man keine guten Unterhandwürfe machen um den Pilker weiter vom Boot weg zu bekommen. Durch die Weichheit konnte der Köder nicht so schnell hüpfend über den Grund geführt werden wie das eigentlich gut wäre. Und durch die Länge war durch die Hebelwirkung der Köder wirklich schwer, dazu kam eine schwere Shimano Baitrunner 6500 die sich ebenfalls anhängte. Ich kann es schon vorweg nehmen: Am nächsten Tag hatte ich einen Muskelkater im Rücken.

Trotz dieses Handycaps war es extrem geil und spannend. Der Kapitän fuhr sehr bemüht einige Hotspots an bzw. suchte die Schwärme über sein Echolot. Beim nächsten mal wußte ich schon, daß jetzt wohl gleich der Hupton erfolgen würde und pendelte so wie mein Profinachbar schon im Voraus den Köder hin und her um dann möglichst schnell auswerfen zu können.

Nur runter lassen ist nämlich nicht. Durch die Drift wandert der Köder entweder von einem Weg oder – so wie es meistens war – auf einen zu und dann weiter unter den Rumpf. Und mit jemanden auf der anderen Bootseite sollte man sich besser nicht verhedern. Obwohl wir eigentlich ziemlich knapp nebeneinander standen haben wir uns überhaupt nicht verheddert. Ja, da schult wohl der Donaukanal. 😀

Peter meinte nach 7-10 mal pilken holt der den Köder wieder ein um neu auszuwerfen weil dann eh kein Biß mehr käme. So ganz bestätigen kann ich das nicht denn ich hatte sogar einen Biß als ich ein Schnurgetüddel am Spitzenring in Ordnung brachte.

Wie man am obigen Foto erkennen kann habe ich inzwischen auch einen Beifänger montiert nachdem ein junger Bursch neben mir zwei Dorsche gleichzeitig haken konnte. Bei mir blieben die Bisse auf den Beifänger leider aus.

Zu Mittag gab es einen Schweinebraten mit Gemüse und Kartoffeln den ich genoß während der Kapitän einen neuen Schwarm ansteuerte. Der Seegang hatte Maria ein wenig zugesetzt und um sich von ihrem Magen abzulenken besorgte sie sich eine Leihangel die samt Köder gegen Leihgebühr zur Verfügung gestellt werden. Es dauerte nicht lange und Maria hatte ihren ersten Dorsch an der Angel. Wie kann es anders sein, der größte den wir an diesem Tag fingen.

Maria hatte dann noch einen weiteren heftigen Biß und leider hat der Fisch den Zusatzdrilling aus dem Karabiner ausgehebelt und ging verloren.

Ich konnte dann einen weiteren Dorsch verhaften und insgesamt fingen wir 9 Dorsche wovon ich einen wieder releasen mußte da er das Maß noch nicht erreicht hatte welches bei 38cm liegt. Sehr große Dorsche oder auch schlecht gehakte Dorsche werden mit einem Gaff gelandet. Das übernimmt auf Zuruf der Kaptitän von der Brücke aus.

Wie man sieht macht sich der Zusatzdrilling sehr bezahlt!

Mit einem viermaligen Hupen beendet der Kapitän die Ausfahrt und nimmt wieder Kurs auf den Heimathafen. Die Fischerei war erste Sahne und ich hatte wirklich Glück mit meinem „Fischnachbarn“. In den Pausen hörte ich viele Fischergeschichten so fährt er ca. 12 mal im Jahr mit der Jan Cux zum Dorschfischen hinaus. Oder auch davon, daß er an seinem besten Tag 59 Hornhechte (natürlich mit Wathose) fing. Oder von den wenigen Stunden die er von einer Seebrücke fischte und dabei 40 Dorsche verhaften konnte. Irgendwie sieht er auch wie ein Seemann aus finde ich.

Peter hatte ein wenig mehr Dorsche als ich erwischt. Interessant war dabei, daß einige dieser Dorsche nicht sauber gehakt waren während meine Dorsche allesamt sauber gehakt waren. Ich denke, daß hat mit der Weichheit meiner Rute zu tun und damit, daß ich die Pilkbewegungen nicht gar so rasch ausführen konnte wie er.

Wir waren trotzdem sehr erfolgreich und konnten mehr Dorsche verhaften als die meisten die mit fuhren. Einer ging sogar Schneider aus.

Während der Rückfahrt werden Arbeitsplatten aufgebaut und Wasserschläuche zur Verfügung gestellt um die Fische gleich ausnehmen oder filetieren zu können. Sofort fanden sich auch die Möwen ein.

Auch wir haben unsere Fische gleich versorgt.

   

   

   

Und voila, fertig ist das Filet!

Es war ein rundum gelungener und traumhafter Tag!

Am Heimweg sind wir dann noch beim Angelladen vorbei gefahren. Immerhin war Wochenende und die Wattwürmer sollten ja schon eingetroffen sein. Also ich schnell rein, nach den Wattwürmern gefragt und ja, die wären schon da. Ob ich denn reserviert hätte. Na, ich war ja da zu Wochenbeginn und da wurde gesagt sie kämen am Wochenende. Und… Nö, wenn ich nicht mit Namen reserviert habe sind schon alle aus. Solche Idioten! Ich war verärgert denn ich hatte ja noch eine Rechnung mit den Plattfischen offen.

In unserem Appartement angekommen machten wir uns daran die Dorschfilets zuzubereiten für uns und die „Praktikantinnen“. (Die aber ihre Teller selbst mitbringen mußten da in unserem Appartement nur zwei Teller, zwei Messer, zwei Gabeln, etc. vorhanden war. Ziemlich spartanisch alles!)

Obwohl nur mit etwas Salz und Zitronensaft zart gewürzt waren das umwerfende Dorsch-Filets und sie schmeckten wie es feiner nicht sein könnte.

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