Bass in Italia – Lago di Bolsena

Bolsenasee – Il Lago di Bolsena

Gelegen knapp hundert Kilometer nördlich von Rom hat sich dieser kreisrunde See zu einem Schwarzbarscheldorado Nummer 1 in Europa entwickelt. Nachdem aber wenig über diesen See und seinen hervorragenden Schwarzbarschbestand im deutschsprachigen Raum bekannt ist, möchte ich Ihn hier kurz fischereitechnisch vorstellen. Dass der See in einer der schönsten Gegenden Italien liegt und sich daher für einen Familienurlaub bestens eignet sei nur am Rande erwähnt ( mehr Info: http://de.wikipedia.org/wiki/Bolsenasee )

Abendstimmung am See (Bild aus den Weiten des Netzes)

Seit knapp 35 Jahren verbringe ich in unregelmäßigen Abständen meinen Urlaub an diesem See – früher als Kind mit meinen Eltern und jetzt als Vater zweier Kinder. Meinen ersten Hecht fing ich am Nordufer mit 6 Jahren, aber erst vor kurzem entdeckte ich dass dieser See einen herausragenden Schwarzbarschbestand aufweist.

Beste Fischzeit

Leider sind gerade die Sommermonate nicht die ideale Jahreszeit um den großen Schwarzbarschen nachzustellen, da diese sich in größere Tiefen zurückgezogen haben. Allgemein gelten die Monate Oktober/November und März/April als die besten Jahreszeiten. Dass aber im Hochsommer ebenfalls erfolgreich auf Bass gefischt werden kann, habe ich diesen Urlaub selbst feststellen können.

Ausrüstung

In den Fachgeschäften rund um den See gibt es alles nötige an Ködern, und nachdem die amerikanischen bzw. japanischen Angeltechniken allgemein verwendet werden, ist die Auswahl größer als in einem heimischen Fachgeschäft. Wichtig ist die richtige Wahl der Ruten –wer seine Lightrute zu Hause lässt ist selber schuld (außer man möchte in den italienischen Handel investieren). Schwarzbarsche gelten zwar als aggressive Fressmonster, aber  ohne Wacky- bzw. Splitshotrig ist gerade an schwierigen Tagen nichts zu holen. Ansonsten ergeben sich die Combos aus den Angeltechniken, die ich kurz anführen möchte.

Angeltechniken

Rund um den See verläuft in Uferlinie ein mehr oder weniger dichter Krautgürtel, wobei die Pflanzen bis zu 4 Meter hoch werden können und bis an die Oberfläche reichen. Nachdem dieses Jahr der Seespiegel außergewöhnlich hoch war, ist aber gerade heuer der Krautgürtel weniger ausgeprägt als in „normalen“ Jahren.  Die Schwarzbarsche sind an diesen dichten Krautfeldern anzutreffen – die kleineren Exemplare meistens im Kraut und die großen Exemplare streifen am Rande des Kraut-Freiwasserbereich. Nachdem dieser Krautgürtel aber selten in dichter Nähe zum Ufer wächst (Ausnahmen meist die Häfen) ist ein Boot unumgänglich. Wobei ein Bellyboot, Kanu oder Schlauchboot vollkommen ausreichend sein kann, aber ich mir dieses Jahr etwas besonderes geleistet habe, nämlich ein

Guiding mit Bassboat

Gerade an großen Seen ist Mobilität Trumpf und aus diesem Grund habe ich mich entschlossen einen Tag mit Guide zu fischen. Die Auswahl an Guides ist groß, Bassboote findet man in den Häfen, aber Guides die zumindest etwas Englisch sprechen schon weniger. Da mein Italienisch schon etwas eingerostet ist, habe ich mich für  Tonino Bandinelli entschieden (Infos zu seinem Guiding: http://www.romebassfishing.com). Sollte jemand über bessere Italienischkenntnisse verfügen, dann empfiehlt sich Kontaktaufnahme zum Bolsena Bass Club (http://www.bolsenabass.it). Natürlich gibt es kostengünstigere Alternativen als einen Guide mit Bassboat, aber auch einen großen qualitativen Unterschied. Erstens fischen die Bassbooteigner selbst an den großen Basstournaments (verfügen also über eine große Erfahrung) und zweitens ist es die schnellste Methode zum Fisch. Speed ist Trumpf und Wettkampffischer haben keine Zeit zu verschwenden. Beißflauten werden sofort mit der Weiterfahrt zum nächsten Spot beantwortet. Im Boot liegen ca. ein Dutzend vormontierter Ruten. Tonino und ich fischten zusammen mit 16 Ruten! Bis auf 4 Ruten waren alle mit Fluorocarbon als Hauptschnur bespult.

Mein Guide mit seinem Bassboat

Methoden

Vorgegangen wird nach einer Art Ausschließungsprinzip: Zuerst werden Crank- und andere sogenannte Searchbaits (hierzu zähle ich auch Spinnerbaits) eingesetzt. Diese dienen dazu, sich einen ersten Überblick über die Beißlaune der Fische zu machen. Zudem eignen sie sich gut um eine größere Fläche schnell und effektiv abzufischen. Sollte auf diese Köder keine Attacken kommen werden die Methoden immer feiner; sprich die amerikanischen Angeltechniken, wie Texas- bzw. Splitshot-rig, oder auch die Dropshotmethode kommen zum Einsatz. Bei Windstille werden dann bei Inaktivität der Fische letztendlich auch Gummiwürmer ohne Blei eingesetzt (am Splitshot oder auch Wackyrig; hierbei kommen die Bisse in der Absenkphase und sind nicht leicht zu erkennen).

Ein schöner Schwarzbarsch

Wichtig ist, dass man immer den Bereich Freiwasser-Kraut abfischt und nicht die „leere Wasserwüste“. Einen Tip zum See: Laute Rasselköder sind denkbar ungeeignet und Spinnerbaits ein Topköder bei rauer Wasseroberfläche. Mit Oberflächenköder sind meine Erfahrungen hingegen durchwachsen. Einerseits verdanke ich die härtesten Bisse und Drills einem Spook, anderseits waren Zahl der Attacken doch recht wenig. Andere Methoden erschienen einfach erfolgreicher und nicht umsonst fischte Tonino aufgrund der schwierigen Verhältnisse ausschließlich Wackyrig und Dropshot.

Ergebnis

Fischen an einem der schönsten Seen in Italien. Rom nicht weit und ansonsten die Städte und Dörfer wie aus einem kitschigen Bilderbuch. Billig ist Italien schon seit Jahren nicht mehr, aber wer einen Familienurlaub mit Schwarzbarschangeln verbinden möchte, der ist hier an der richtigen Adresse.

Nicht der Größte - dafür aber viele

Links:

Guiding: www.romebassfishing.com

Bass-Club des Ortes Bolsena: www.bolsenabass.it

Lizenzen: Informationen erhält man in den Gemeindeämtern bzw. Touristeninformationen; Jahreskarte ist per Erlagschein in der Bank einzuzahlen und kostet knapp 30.- € im Jahr; Der Einzahlungsbeleg gilt als Bestätigung

C&R

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