23. Mai 2010

Die Rutenbauteile – eine Übersicht

Eine Angelrute besteht aus folgenden Einzelteilen:

  • Blank
  • Laufringe & Spitzenring
  • Vorgriff
  • Rollenhalter
  • Griff
  • Abschlußkappe
  • div. Winding-Checks & Zierringe
  • Garn

Das sind die Teile die häufig zur Verwendung kommen. Aber der Phantasie sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Welche Teile genau zum Einsatz kommen hängt sehr stark von der geplanten Rute ab. Wird es eine Spinnrute oder eine Wallerrute? Eine Fliegenrute? Je nach Einsatzzweck kommen andere Teile zum Einsatz. Hier muß ich gleich festhalten, daß ich weder mit Fliegenruten noch mit Hochseeruten oder ähnlichesm Erfahrung habe. Zu diesen Themen kann ich also kaum Infos geben. Schauen wir uns jetzt die einzelnen Teile genauer an.

Der Blank

Nachdem es dutzende wenn nicht sogar hunderte verschiedene Blanks gibt mit den unterschiedlichsten Einsatzzielen kann ich hier nur ein paar allgemeine Aussagen treffen. Gut wäre es klarerweise wenn man einen Blank vor dem Kauf schon befingern könnte. Oder sollte ihn jemand anderer schon aufgebaut haben mal probezuwerfen. Nachdem das oft nicht möglich ist wird man sich auf Aussagen der Internetgemeinschaft und des Händlers verlassen müssen. Deshalb auch der Tipp mal direkt bei den Händlern anzurufen.

Bei den Blanks findet man häufig folgende Angaben:

Länge: Die länge wird auch häufig in Fuß angegeben. Ein Fuß sind 30,48cm.

Teilung: Man findet von einteiligen Ruten bis hin zu Reiseruten die auch schon mal 4- oder 5-teilig sind alles.

Wurfgewicht: Im deutsschsprachigen Raum wird häufig das Wurfgewicht angegeben. Im englischsprachigen Teil der Welt wird auch häufig von einem Lure-Weight gesprochen. Während das Wurfgewicht angibt in welchem Bereich sich die Rute noch gut auflädt gibt das Lure-Weight jenen Bereich wieder in dem sich Köder noch gut führen lassen. Ist bei Spinn- und Castingruten interessant. Die Angabe passiert auch oft in Unzen. 1 Unze (oz) = 28,3495231 g

Blankgewicht: Wie der Name schon sagt, das Gewicht des reinen Blanks

Schnurklasse: Oder auch „Line-Weight“. Hier wird angegeben welche Schnurklassen für den Blank geeignet sind. Das gibt schon ein wenig Aufschluß über das Wurfgewicht und die Power oder auch welche Köder/Zielfische da nicht (mehr) in Frage kommen. Bei Fliegenruten wird die AFTMA Klasse angegeben.

Aktion: Die Aktion des Blanks. Wer sich mit der Aktion einer Rute noch nicht auseinandergesetzt hat kann hier mal nachlesen.
Power: Angaben wie Ultra-Light, Light, Medium-Light, Medium, Medium-Heavy, Heavy, Ultra-Heavy oder Kombinationen daraus geben Aufschluß über die „Kraft“ einer Rute und den Einsatzzweck sowie auch mögliche Zielfische.

Durchmesser-Handteil: oft auch Butt-Diameter. Der Durchmesser der Rute am unteren Ende. Diese Angabe ist wichtig um die passenden Bohrungen bei den Griffen oder auch die passenden Rollenhalter aussuchen zu können.

Durchmesser-Spitze: oft auch Tip-Diameter. Wichtig um den passenden Spitzenring zu wählen. Bei den Spitzenringen werden Tube-IDs angegeben also Tubeninnendurchmesser. Die Tube-ID muß passend zum Spitzendurchmesser gewählt werden.

Nachdem ein Blank ja konisch verläuft ist es oft interessant zu wissen welcher Durchmesser an welche Stelle des Blanks ist. Wenn der Blank vor einem liegt ist das leicht, man braucht es nur messen. Liegt der Blank noch nicht vor einem dann kann man das mit Hilfe einer kleinen Datei berechnen. Winding-check-METRIC kalkulieren

Ringe & Spitzenringe

Ringe und Ringformen gibt es wie Sand am Meer. Einbeinringe, Zweibeinringe, hohe und niedrige Ringe, Anti-Tangle-Ringe, Fliegenrutenringe, Rollenringe und so weiter. Nicht nur Fuji produziert Ringe sondern auch Pazific-Bay, American Tackle und so weiter. Auch findet man viele „Hausmarken“ bei den Händlern.

Um sich mal einen Überblick zu verschaffen kann man sich den PDF-Katalog (ca. 100MB) runterladen.

Folgendes ist grundsätzlich in die Überlegungen einzubeziehen: Die Aktion eines Blanks wird durch die Ringe verändert in Abhängigkeit von

  • Gewicht der Ringe und des Spitzenringes
  • Widerstand den die Ringe dem Blank bieten sich zu biegen
  • Länge der Ringfüße
  • Länge der Wicklung die den Ring hält

Grundsätzlich wird eine UL (ultra-light) Rute von den genannten Dingen mehr betroffen als eine schwere Salzwasser- oder Waller-Rute. Im einzelnen heißt das:

Gewicht der Ringe und des Spitzenringes: Je schwerer die Ringe umso langsamer wird die Aktion. Hat man also einen Blank dessen Aktion zu schnell ist kann man sie mit schwereren Ringen ein wenig verlangsamen. Aber Achtung: Die Rute kann auch total „gefühllos“ dadurch werden. Typischerweise wird man aber eher das Gegenteil versuchen: Möglichst wenige und möglichst leichte Ringe um die Aktion und die „Rückmeldung“ der Rute möglichst nicht zu stören mit einer möglichst leichten also dünnen Lackierung.

Widerstand den die Ringe dem Blank bieten sich zu biegen: Einbeinige Ringe bieten hier den geringsten Widerstand und der Blank kann sich biegen fast so als wäre kein Ring am Blank. Anders bei zweibeinigen Ringen die mehr Steifheit in den Blank bringen und die Aktion schneller werden lassen.

Länge der Ringfüße: Auch hier gilt, je länger die Ringfüße desto mehr hindern sie den Blank sich zu biegen und bringen Steifheit in den Blank.

Länge der Wicklung die den Ring hält: Wenn sich ein hohler Blank biegt dann bleibt er nicht perfekt rund. Durch die Krafteinwirkung wird er leicht oval. Wenn man jetzt die Wicklung betrachtet und die dazugehörige Lackierung dann ist das als würde man die Wandstärke an dieser Stelle erhöhen. Die Wandstärke gibt typischerweise Auskunft über die Steifheit eines Blanks. Und je dicker desto Steifer. Mit langen Wicklungen halten wir den Blank an der Stelle länger davon ab sich zu biegen und bringen so mehr Steifheit hinein. Die Aktion wird schneller.

Aber Achtung: Die Dinge hängen voneinander ab. Leichte Ringe werden nicht zweibeinig sein. Lange Wicklungen die Steifheit bringen, bringen aber auch Gewicht auf den Blank mit gegenteiligen Effekt. Man kann aber durchaus über die Ringe und die Anzahl der Ringe die Aktion eines Blankes beeinflussen. Am besten erscheint es aber, von Haus aus einen Blank zu wählen mit einer Aktion die den eigenen Wünschen entspricht.

Bei den Ringen zahlt es sich aus sich mal mit dem „Fuji New Guide Concept“ vertraut zu machen. Bei dieser Methode werden mehr Ringe als gewöhnlich verwendet und soll einige Vorteile bei der Balance, dem Auswerfen, anschlagen und drillen bieten.

Hier eine kleine Übersicht der gebräuchlichsten Ringeinlagen:

Ring Grade BestBetterGood
Type of ringSALO
NameSiC RingAlconite RingHardloy Ring‚O‘ Ring
MaterialSilicon CarbideReinforced Aluminium OxideHigh Grade Aluminium OxideAluminium Oxide
ColourGraphite BlackPolished BlackGreyDark Brown
Hardness2200~24001300~15001200~14001200~1400
Specific Gravity3.24.23.43.8
Heating Conductivity0.150.110.020.03
Material Strength55452530
Heating Testover 500 timesover 300 times145~200 times20~30 times

 

Die Ringe unterscheiden sich sehr stark im Preis. Gold-Cermet Ringe und Titanium-Ringe mit Sic-Einlage sind die teuersten Ringe die ich bis jetzt gesehen habe. Aber auch die leichtesten und qualitativ hochwertigsten. Allerdings glaube ich nicht, daß diese Ringe unbedingt notwendig sind. Auch Ringe mit Alconite-Einlage erfüllen ihren Zweck an einer Spinnrute. Alconite ist ca. 15% schwerer als Sic. Man wird die Ringe auch an den Blank abstimmen. Auf einem High-End-Blank würde ich auch dementsprechende Ringe verwenden. Umgekehrt, wenn die Ringe das doppelte wie der Blank kosten ist es wohl auch nicht ausgewogen.

Vorgriff und Griff

Als Vorgriff oder Foregrip wird der Griffteil vor dem Rollenhalter bezeichnet. Je nach Rutenart ist der von nicht bis kaum vorhanden bis hin zu einiger Länge. Der Griff nach dem Rollenhalter (von der Spitze der Rute beginnend betrachtet) wird im Englischen auch als „Rear-Grip“ bezeichnet. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt an in Frage kommenden Materialien: Kork, Duplon, Holz, Leder, Carbon, etc. etc. Häufig wird Kork bzw. Duplon verwendet. Die Griffteile gibt es mit unterschiedlichen Bohrungen, Formen und Längen. Bei Kork in unterschiedlichen Qualitätsstufen. Je besser die Qualität desto teurer. Kork und Duplon lassen sich gut bearbeiten und so kann man seiner eigenen Kreativität freien lauf lassen.

Rollenhalter

Die Rollenhalter teilt man nach den beabsichtigten Einsatzzweck ein. Fliegenrollenhalter schauen anders aus als Rollenhalter für Castingruten (Triggergriff) und wieder anders als jene für Karpfen- oder Spinnruten. Ebenfalls unterscheidet sich das Material. Es gibt speziell kräftige Rollenhalter für Big-Game. Auch die Farben sind unterschiedlich und es gibt verschiedene Einsätze und Aufsätze um den Rollenhalter an die eigenen Wünsche anzupassen. Bei den Rollenhaltern ist es oft so, daß sie in 0,5mm Schritten Innendurchmesser angeboten werden damit sie möglichst passend am Blank sitzen. Andere – billigere – haben diese Abstufung nicht und müssen unterwickelt werden. Fuji genießt einen hervorragenden Ruf was die Qualität der Rollenhalter angeht. Sie sind aber nicht die einzigen Hersteller von Rollenhaltern. Ein Blick lohnt sich hier.

Abschlußkappe & Winding Checks & Zierringe & ähnliches

Mit diesen Teilen kann man der Rute einen weiteren persönlichen Schliff verleihen. Es gibt die unterschiedlichsten Abschlußkappen und auch Einschübe in den unterschiedlichsten Farben. Metall oder Kunststoff, eloxiert, aus Kork und, und und.

Zierringe bringen zusätzlichen Pepp in die Rute und geben der Rute ein edles aussehen. Bei den Durchmessern muß man sowohl den Innendurchmesser den man benötigt beachten als auch den Außendurchmesser um saubere Übergänge zu erhalten.

Winding-Checks sitzen typischerweise am Ende des Griffes und machen einen schönen Abschluß. Oft wird vor den Winding-Checks auch noch gewickelt.

geklebter Winding Check noch ohne Wicklung

Garn

Die Ringe und Hakenösen werden mit Garn angewickelt. Das Garn gibt es in verschiedenen Stärken. Stärke A ist die normale Stärke und reicht für die meisten Ruten. Für Ruten die großen Kräften ausgesetzt sind nimmt man die Stärke D. Teilweise werden die Ringe auch unterwickelt damit die Kräfte des Ringes nicht den Blank beschädigen. Persönlich glaube ich nicht, daß das wirklich bei vielen Ruten notwendig ist. Die Kraft die auf den Ring wirkt wird im Allgemeinen überschätzt.

Am bekanntesten ist Garn von der Fa. Gudebrod. Aber auch Madeira oder Pac-Bay und noch andere bieten Garn für den Rutenbau an. Das Garn gibt es „normal“, als NCP und metallicfarben. NCP Garn ist bereits mit Farbfixativ behandelt.

An Fliegenruten kommt auch Seide zum Einsatz um die Ringe an den Blank zu binden.

Mit Garn werden aber nicht nur die Ringe angewickelt es lassen sich auch tolle Zierwicklungen auf den Blank zaubern.

Handle-Kits

Man kann nicht nur Rutenbausätze kaufen sondern auch „Griffbausätze“ die alle benötigten Teile für einen kompletten Griff beinhalten mit Rollenhalter, Griffmaterial, Zierringen, Winding-Checks, … in den unterschiedlichsten Ausführungen. Kork oder Duplon, Split-Handles, etc.

2 thoughts on “Die Rutenbauteile – eine Übersicht

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